Wotmołwy biskopskeho ordinariata na prašenja k wobchadźenju biskopa z katolskimi Serbami

DOKUMENTACIJA – Dźakuju so knjezej Michaelej Baudischej, nowinskemu rěčnikej biskopskeho ordinariata Drježdźansko-Mišnjanskeje diecezy za sposrědkowane wotmołwy, kotrež njech přinošuja k dalšej zjawnej debaće.

Sehr geehrter, lieber Herr Braumann,
vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse. Gerne möchte ich Ihnen zu Ihren Fragen einige Antworten senden:

1. Warum bringt Bischof Heinrich Timmerevers im Unterschied zu seinem Vorgänger seinen Respekt gegenüber den sorbischen Gläubigen nicht durch einen regelmäßigen Gebrauch der sorbischen Sprache bei besonderen Gelegenheiten zum Ausdruck?

Bischof Heinrich schätzt die Sorben und das Leben der sorbischen Volkskirche mit seinem reichen geistlich geprägten Brauchtum. Ihm imponiert der starke Zusammenhalt der sorbischen Katholiken und ihre Beheimatung im Glauben der Kirche. Und er weiß um den Wert der sorbischen Sprache in Liturgie, Literatur und Kirchenmusik. Bislang hält sich Bischof Heinrich allerdings mit eigenen Sprachversuchen auf Sorbisch bewusst zurück. Nach seiner Wahrnehmung ist „gut gemeint“ eben nicht immer auch gut gemacht. Der von Ihnen angefragte Respekt lässt sich aber sicher auch auf andere Weise ausdrücken. So legte Bischof Heinrich großen Wert darauf, zu Ostern mehrere Osterreiter-Prozessionen persönlich zu begrüßen. Er kam zum Osterreiter-Dankgottesdienst nach Rosenthal. Und auch die Wallfahrt am Pfingstmontag in Rosenthal will Bischof Heinrich ebenfalls gemeinsam mit den Sorben feiern.

2. Ist es zutreffend, wie Serbske Nowiny berichten, dass sich Bischof Timmerevers beschwert hat, weil er beim Gottesdienst im Dezember in Crostwitz der sorbischen Sprache wegen nicht alles verstanden habe?

Bischof Heinrich hat sich nicht beschwert, sondern den Wunsch geäußert, in einem rein sorbisch-sprachigen Gottesdienst nach gemeinsamer Abstimmung einzelne wenige, ausgewählte Elemente sprachlich gemeinsam mit den Gläubigen vollziehen zu können. Auch in der Vergangenheit, unter den Vorgängerbischöfen, konnten da Wege gefunden werden, die von allen Seiten gut akzeptiert waren und nicht als Beschränkung empfunden wurden. Evangelium und Auslegung des Evangeliums in der Predigt bilden eine Einheit. Bischof Heinrich schlägt daher vor, vor seiner Predigt das Evangelium in deutscher Sprache vorzutragen.

3. Wäre die geplante Fusion der sorbischen Gemeinden nicht eine Quersubventionierung der deutschen Diaspora durch die sorbische Volkskirche, da das Kirchensteueraufkommen (plus tägliche Kollekten) im sorbisch-katholischen Bereich mutmaßlich weit über den Personal- und Sachkosten vor Ort liegt?

Steuergläubiger ist nicht eine einzelne Pfarrei, sondern das Bistum. Dieses verteilt die eingenommenen Mittel nach einem geordneten Verfahren. Für die Pfarreien werden dabei unter anderem Katholikenzahl und Flächengröße berücksichtigt. Eine Veränderung von Pfarreien im Bistum, die zu größeren Einheiten führt, bewirkt daher gewöhnlich keine finanzielle Schlechterstellung.

Die Regelungen für Kollekten sind komplex: Es gibt Kollekten, die in der Pfarrei verbleiben, und andere, die dem Bistum für besondere Aufgaben zufließen, etwa für die Jugendarbeit oder das kirchliche Bauen. Und es gibt Kollektenzwecke, die von allen Pfarreien und Diözesen an Dritte abgeführt werden, etwa an die kirchlichen Hilfswerke (Missio, Adveniat, Misereor,…).

Überdies gibt es nicht nur in der sorbischen Region finanziell besser gestellte Gemeinden. Als Katholische Kirche schätzen wir allerdings das Prinzip der Solidarität, das unter Christen eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

4. Wie kann das Bischöfliche Ordinariat angesichts der existenzieller Bedrohung der sorbischen Sprache, für die das kleinräumig organisierte katholische Leben den wohl wichtigsten öffentlichen Sprachraum darstellt, Planungen verantworten, die als Gefährdung der sorbischen Sprachsubstanz empfunden werden?

Ihre Formulierung „als Gefährdung empfunden“ trifft sicher den Punkt: hier stehen viele Mutmaßungen und Spekulation im Raum. Katholische Kirche wird in der sorbischen Region auch in Zukunft Träger und Förderer von Kultur, Sprache und gesellschaftlichem Zusammenhalt bleiben. Stärkere Vernetzung und Kooperation stehen aber nicht im Widerspruch zu einem vielfältigen, kleinräumig organisierten Gemeindeleben. In das Gespräch darüber sind alle Pfarreien intensiv eingebunden.

5. Wäre es mit Blick auf fatale deutsch-nationale Traditionsstränge in der jüngeren Vergangenheit der katholischen Kirche auch unserer Region (siehe u.a. Martin Walde, „Wie man seine Sprache hassen lernt“, über Bischof Schreiber, der sich in Crostwitz ausdrücklich als „deutscher Mann“ vorstellte) und den Umstand, dass die sorbischen Gläubigen z.B. Kirchen wie in Storcha komplett selbst finanzieren mussten, nicht an der Zeit, auch als historische Wiedergutmachung, die Verwendung des Sorbischen zu verstärken, etwa durch eine sorbischsprachige Firmung und eine Empfehlung an deutsche Gläubige in sorbischen Gemeinden, sich stärker sprachlich zu integrieren?

6. Im Zusammenhang mit der damaligen Auseinandersetzung um die Versetzung des Pfarrers Dawidowski aus Ostro (der inzwischen erfreulicherweise in unsere Mitte zurückgekehrt ist) gab es in meinem Blog auch Diskussionsbeiträge zu kirchenrechtlich möglichen Modellen organisatorischer Unabhängigkeit der sorbischen Gemeinden von deutschen Diözesen bzw. zu einer ggf. wünschenswerten Verbindung der sorbisch-katholischen Gemeinden mit einem polnischen Bistum. Haben Sie angesichts der o.g. Erfahrungen für solche Überlegungen Verständnis?

Beste Grüße
Michael Baudisch, Pressesprecher Bistum Dresden-Meißen

2 Antworten to “Wotmołwy biskopskeho ordinariata na prašenja k wobchadźenju biskopa z katolskimi Serbami”

  1. słowjanka Says:

    To je diplomatiske žwanje. Je to klasiski přikład germanizacije. „Er kam zum Osterreiter-Dankgottesdienst nach Rosenthal. Und auch die Wallfahrt am Pfingstmontag in Rosenthal will Bischof Heinrich ebenfalls gemeinsam mit den Sorben feiern.“ – aber eben auf Deutsch!

  2. jan jurij serbomichl Says:

    Wjele wuprajacej stej sadźe: „Evangelium und Auslegung des Evangeliums in der Predigt bilden eine Einheit. Bischof Heinrich schlägt daher vor, vor seiner Predigt das Evangelium in deutscher Sprache vorzutragen.“ Potajkim biskop ani wobsah Noweho zakonja njeznaje a by cyle zadźiwany był, jeli by so wotrězk serbsce přednjesł. Móže sej tola němski přełožk Noweho zakonja do ruki wzać a sobu čitać. A přeće, zo móhł „…. ausgewählte Elemente sprachlich gemeinsam mit den Gläubigen vollziehen zu können“ tola we woprawdźitosći rěka „…. ausgewählte Elemente gemeinsam auf Deutsch (!) mit den Gläubigen vollziehen zu können“. Čehodla njeje knjez biskop Heinrich Timmerevers sprawny, ale ma Serbow za naiwnych hłupakow?

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